Tipps für Eltern

Eltern sind oft unsicher, was sie tun können, um ihr Kind vor einer Essstörung zu bewahren oder eine sich entwickelnde Essstörung möglichst frühzeitig zu erkennen. Im Folgenden finden sich Hinweise zu diesen Themen.


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Frühe Anzeichen einer Essstörung

Leider sind Essstörungen nicht so leicht zu erkennen wie Masern oder Windpocken. Daher ist es notwendig, das Verhalten des Jugendlichen zu beobachten und auf Veränderungen rechtzeitig zu reagieren. Bereits in der Pubertät werden die Grundlagen für eine Essstörung gelegt, die dann gegen Ende oder nach Abschluss der Pubertät in Erscheinung tritt.

Im Folgenden sind einige mögliche Anzeichen für eine Essstörung aufgelistet. Einzelne Auffälligkeiten sind unkritisch und weisen nicht auf eine Essstörung hin. Wenn jedoch mehrere Anzeichen zusammenkommen, sollten Sie genauer hinschauen.

Frühe Anzeichen für eine Essstörung können sein:

„Dauerdiäten“

Der Einstieg in eine Essstörung ist im Allgemeinen eine Diät. Wenn eine Jugendliche eine Diät nach der anderen macht, sollte man hellhörig werden, da offensichtlich eine hohe Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper besteht.ungewöhnliches

Essverhalten (Menge, Art)

Noch bevor man von einer echten Essstörung sprechen kann, ändert sich das Essverhalten. Meist wird einseitig gegessen, bestimmte Lebensmittel werden gemieden oder es werden zu große oder zu kleine Portionen verzehrt.

hoher Gewichtsverlust in kurzer Zeit ohne erkennbaren Grund (z. B. Krankheit)

Viele Jugendliche sind sehr geschickt darin, ihr Essverhalten zu verschleiern („habe schon in der Stadt gegessen“, „habe Magenschmerzen“ etc.), so dass lange Zeit außer dem Gewichtsverlust wenig auffällt.

Gewichtsabnahme trotz scheinbar normalem Essverhalten (keine erkennbare Diät)

Möglicherweise wird die Nahrungsaufnahme durch Erbrechen oder Abführen reguliert. Große Gewichtsabnahmen sollten auch in jedem Fall vom Arzt abgeklärt werden, um keine körperliche Erkrankung zu übersehen.

Verzehr großer Mengen an Nahrungsmitteln in kürzester Zeit („leerer Kühlschrank“)

Bulimie beginnt oft mit einzelnen „Fressanfällen“. Wenn die Jugendliche in kurzer Zeit wahllos den Kühlschrank oder die Vorratskammer leer isst, sollten Eltern aufmerksam werden.

längerer Rückzug ins Bad nach jeder Mahlzeit

Eventuell wird das Essen erbrochen. Dafür wird deutlich mehr Zeit benötigt als für einen normalen Toilettenbesuch (Erbrechen, Toilette reinigen, Zähneputzen, Lüften).

extreme sportliche Aktivität

Gemeint ist hier nicht normaler Sport oder auch Leistungssport. Bei Essstörungen dient Sport zur Gewichtskontrolle, daher wird er exzessiv und verbissen ausgeführt.

Rückzug von Familienmahlzeiten

Jugendliche mit Essstörungen ziehen sich häufig mit mehr oder weniger sinnvollen Ausreden von Familienmahlzeiten zurück, essen nur noch alleine oder bereiten sich eigene Mahlzeiten zu.

Wenn Sie mehrere solcher Anzeichen bei Ihrer Jugendlichen beobachten, sollten Sie möglichst sofort reagieren.

Reaktionen bei ersten Anzeichen einer Essstörung

Je früher eine Essstörung behandelt wird, desto günstiger ist die Erfolgsprognose! Daher sollten Sie zügig handeln:

Essverhalten nicht kommentieren

Leider haben Eltern keinen Einfluss auf das Essverhalten eines Jugendlichen. Kommentare führen nur zu Konflikten, da die Jugendlichen sich üblicherweise jede Einmischung verbitten. Da das Essen nur Symptom, aber nicht Ursache ist, sollten Eltern hier keinen Machtkampf provozieren.

Mit irreversiblen körperlichen Dauerschäden ist erst nach langer Krankheitsdauer zu rechnen!

Gespräch mit Jugendlichen suchen

Versuchen Sie, mit dem Jugendlichen im Gespräch zu bleiben. Machen Sie keine Vorwürfe („Du musst doch mehr / weniger essen!“). Hören Sie zu, wenn Ihr Kind über Probleme mit Figur, Gewicht oder ähnlichem spricht und versuchen Sie seine Gedankengänge zu verstehen. Unterstützen Sie die Entwicklung des Kindes in anderen Bereichen (z. B. Hobbys), um Erfolge unabhängig vom Körpergewicht zu erzielen.

Verdacht ansprechen

Falls sich Ihr Verdacht erhärtet, sprechen Sie dies in einem ruhigen Gespräch mit der Jugendlichen an. Sagen Sie, welche Maßnahmen Sie für sinnvoll halten. Vermutlich treffen Sie auf große Ablehnung und Protest, dennoch ist ein solches Gespräch wichtig. Sie sollten immer wieder das Gespräch über dieses Thema suchen.

Informationen sammeln

Informieren Sie sich über Essstörungen. Je besser Sie informiert sind, desto besser können Sie handeln.

Therapiemöglichkeiten herausfinden

Sehen Sie sich rechtzeitig nach Therapieplätzen um. Leider muss man in vielen Regionen lange auf einen Platz bei einem Psychologen warten.

Hilfe für sich selber suchen

Suchen Sie sich Gesprächspartner, mit denen Sie sich austauschen können, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe. Andere betroffene Eltern sind hilfreich, wenn Sie selber nicht mehr so recht wissen, wie Sie weitermachen sollen.

Vorbeugung von Essstörungen

Bedenken sollte man bei allen Tipps, dass trotz optimaler Erziehung eine Essstörung auftreten kann. Da eine Essstörung immer aus dem Zusammenspiel von Persönlichkeitsfaktoren des Kindes, der familiären Situation, der Erziehung, der kulturellen Umgebung, den aktuellen Gesellschaftsströmungen usw. resultiert, gibt es keinen vollständigen Schutz hiervor.

Dennoch gibt es einige grundsätzliche Hinweise:

Eigene Einstellung zu Figur und Essen

Überprüfen Sie Ihre eigene Einstellung zu Figur, Gewicht und Essen. Wenn Sie selber ihre Figur nicht akzeptieren, ständig über Diäten nachdenken oder beim Essen Kalorien zählen, wird Ihr Kind dieses Verhalten sowie die dahinterstehenden Einstellungen übernehmen.

Ernährungserziehung

Beginnen Sie schon im Babyalter mit der Ernährungserziehung. Essen sollte eine Selbstverständlichkeit sein und nicht als Belohnung / Bestrafung / Trost eingesetzt werden.

Achten Sie vom Baby- bis zum Jugendalter auf eine gesunde Ernährung und viel Bewegung. Die Gefahr, Übergewicht zu bekommen, ist dann ausgesprochen gering.

Wenn Sie glauben, Ihr Kind isst nicht genug, denken Sie daran: „Es ist noch kein gesundes Kind an einem gedeckten Tisch verhungert!“

Kommunikation

Bleiben Sie im Gespräch mit dem Kind / Jugendlichen. Jugendliche können beispielsweise noch nicht überschauen, wie künstlich die Welt des Fernsehens ist und wie weit von der Realität sie entfernt ist. Ihre Bereitschaft zur Diskussion ist hier gefragt. Schauen Sie durchaus die gerade modernen „Kultsendungen“ gemeinsam mit ihrem Jugendlichen an. Diskutieren Sie über Schönheitsideale, die Sinnhaftigkeit von Diäten und über alle Themen, die ihr Kind interessieren.

Gruppendruck

Gerade im Bereich der Figur entsteht in der Pubertät ein enormer Gruppendruck. Entwicklungsbedingt spielt das Aussehen eine wichtige Rolle. In manchen Schulklassen oder Cliquen machen die Mädchen gemeinsam Diät und wetteifern, wer am meisten abgenommen hat. Dies birgt das Risiko, dass ein Mädchen nicht den rechtzeitigen Ausstieg aus der Diätspirale findet und in eine Essstörung abgleitet.

Erziehen Sie daher Ihr Kind von klein auf zu selbständigem Denken und zum Widerstand gegen unsinnige Gruppennormen.

Falls Ihr Kind aktuell wegen seiner Figur unter Druck gesetzt wird, sollten Sie sofort aktiv werden und andere Eltern / Lehrer / Schulleitung etc. informieren.